30. Mai bis 31. Juli 2026 in der Stadtbibliothek Solingen
Als wir im letzten Jahr gefragt wurden, ob wir Lust hätten anlässlich des 100. Geburtstags der Stadtbibliothek eine Ausstellung zum Thema Bücher zu machen, haben wir spontan zugesagt. Wir lieben Bücher. Wir sind mit Büchern aufgewachsen. Aber wie fotografieren wir Bücher und was dazu gehört? Fotografisch hatten wir uns mit diesem Thema noch gar nicht auseinander gesetzt, wir fotografieren eher draußen in der Landschaft, in der Natur. Aber sechs der zurzeit 13 Mitglieder unserer Gruppe stellten sich dieser Herausforderung: Detlef Buxmann aus Dormagen, Andrea Hermann aus Düsseldorf, Annette Ulrich aus Potsdam, Hans Peter Eckstein, Ina Herzig und Astrid Padberg aus Wuppertal.
Um Bücher zu erklären müssen wir weit in die Geschichte der Menschheit zurückgehen. Denn die Grundlage für die Entstehung von Büchern ist die Möglichkeit, Sprache nicht nur hörbar, sondern sichtbar und lagerfähig zu machen.
Die ersten Aufzeichnungen stammen aus einer Zeit, als aus kleinen Ansiedlungen Städte und Staaten wurden. Wo viele Menschen zusammen wohnen gibt es viel Kommunikation und Austausch von Neuigkeiten. Es wird Handel getrieben, Vereinbarungen aller Art werden getroffen. Um etwa 3300 vor Christus entstand eine Bilderschrift aus 900 Piktogrammen und Ideogrammen. Sie wurden in Ton geritzt. Aus Uruk (Irak) sind die ersten Tontafeln mit Keilschrift bekannt. Diese Tontafeln gibt es noch heute: Es handelt sich um landwirtschaftliche Listen, als Gedächtnisstütze für die Buchführung.
Aus den Pikto- und Ideogrammen entwickelten sich im Lauf von einigen Jahrhunderten Schriftzeichen die miteinander kombiniert Sprache abbilden konnten. Nun, ab 1400 vor Christus, wurden auch Geschichten aufgezeichnet: Sagen, Mythen, Gebete, Götter- und Opferlisten sind auf 1500 Tontafeln aus Ugarit (Ra’s Shamra) erhalten. Zu den bekanntesten Geschichten gehört wohl das Gilgamesch-Epos. Wer es von Euch nicht kennt, kann es sich in der Bibliothek als E-Audio ausleihen.
Besonders wichtige Ereignisse wurden in Stein gemeißelt. So trug das Fragment einer Stele aus dem ägyptischen Memphis trug dazu bei, dass wir heute in der Lage sind, Ägyptische Hieroglyphen zu lesen. Der Stein von Rosetta.
Er enthält den Beschluss einer Priestersynode aus dem Jahr 196 vor Christus, als Ägypten von den Ptolemäern regiert wurde. Das Spannende daran – der Beschluss ist in drei Schriften verfasst:
- Ägyptische Hieroglyphen, das war die Sakralschrift der Gelehrten
- Demotisch, das war die ägyptische Gebrauchsschrift
- und Altgriechisch, das war die in der Verwaltung gebräuchliche Schrift und Altgriechisch können Gelehrte noch heute lesen und verstehen.
Für weniger wichtige Dekrete wurden im antiken Ägypten anstelle von Tontafeln Papyrus und Leinentücher zur Aufnahme von Schriftzeichen verwendet. Das übernahmen die Römer. So hielt Senator Plinius der Jüngere im Jahr 79 nach Christus den vernichtenden Ausbruch des Vesuv auf Pergament fest.
Der Vorläufer des Buches, wie wir es heute kennen, ist der so genannte Kodex. Die (1945) im ägypitschen Nag Hammadi entdeckten spätantiken Kodizes einer koptischen Bibliothek bestehen aus in Leder gebundenen Papyrusblättern und gelten als die ältesten Bücher. Ab dem 14. Jahrhundert wurde das Pergament allmählich durch das billigere und viel einfacher zu produzierende Papier ersetzt.
Zur selben Zeit entstand auch eine spezielle Buchform: das Beutel- oder Gürtelbuch. Es waren eingebundene Bücher mit meist religiösem Inhalt (etwa Tageslosungen, Gebet- oder Liederbücher) oder ärztliche Handbücher (Vademecum). Die Beutelform kommt dadurch zustande, dass über den Ledereinband ein zweiter Bezug, ein Buchbeutel, gelegt wird. So kann das meist kleinformatige Buch im Beutel auch am Gürtel befestigt werden. Also die historische Art des handlichen Taschenbuches zum Mitnehmen geschützt in einem extra Beutel.
Um 1450 nach Christus betrat ein Mann namens Johannes Gutenberg die Weltbühne. Er erfand eine Möglichkeit ganze Seiten schnell mit Hilfe einer Maschine zu bedrucken. Vor dieser Erfindung wurden Seiten von Hand beschrieben und meist durch Geistliche kopiert indem sie Buchstabe für Buchstabe abschrieben.
Die schnelle Verbreitung der neuen Technik in ganz Europa und die stetige Verbesserung und Weiterentwicklung des Buchdrucks und der Herstellung von Papier machten das Buch zur Massenware. Bücher und damit Wissen aus allen denkbaren Bereichen wurden zum Allgemeingut.
Doch egal welche Unterlagen zur Aufzeichnung genutzt wurden, sie waren zunächst nur Herrschern, Schriftgelehrten und Geistlichen zugänglich. Das gemeine Volk musste viele 100 Jahre warten bis der Zugang zu Büchern und damit Wissen für alle möglich wurde. Das Lesen eines Buches setzte vor allem eins voraus: Bildung.
Bildung ist unter anderem gesammeltes Wissen. Wissen wird in Bibliotheken gesammelt, erschlossen, bewahrt und heute für alle verfügbar gemacht.
Während früher Bibliotheken als altehrwürdige Tempel des Wissens und des Studierens galten, waren sie nur einer Oberschicht zugänglich.
Heute ist das anders. Heute sind Bibliotheken offene und öffentliche helle Räume, zugänglich für alle. Ein paar Superlativen möchten wir dennoch erwähnen. Da ist zum Beispiel die Nationalbibliothek Großbritanniens: rund 170 Millionen Medieneinheiten, davon 25 Millionen Bücher. Es ist der weltweit größte Bestand an Werken. 1823 wurden die 65.000 Bücher der Privatbibliothek von König George III. in die Bibliothek integriert. 65.000 Bücher, keine Taschenbücher, sondern dicke alte Schinken. (Alte Schinken weil sie meist in Schweinsleder gebunden sind.) Was macht man damit? Sie wurden in Regalen hochgestapelt. Entstanden ist ein beeindruckender, vier Etagen hoher Turm aus historischen Büchern. Am Fuß sitzen junge Menschen vor Laptops oder mit Büchern, hochkonzentriert.

All das Wissen, das in diesem Bücherturm gestapelt ist, passt heute auf eine paar Terrabyte große Festplatte von der Form eines Taschenbuches. Den Bücherturm brauchen wir also nicht mehr? Doch. Unbedingt. Solche kunstvoll illustrierten, in Leder gefassten und von Hand mit Nadel und Faden gebundene Bücher haben etwas Ehrwürdiges, Wertvolles. Sie in einen Altpapiercontainer zu entsorgen wie ein zwei Mal gelesenes Taschenbuch aus heutiger Massenproduktion? Auf gar keinen Fall.

Wir lesen heute vieles – aber kaum noch Bücher? Stimmt das? Sind die Bibliotheken leer? Das Oodi, die öffentliche Bibliothek von Helsinki, ist ein gutes Beispiel für das Gegenteil. Sie wurde vor acht Jahren neu gebaut. Neben dem Bücherverleih bietet die Bibliothek öffentliche Arbeitsbereiche, die mit Computern, Nähmaschinen und 3D-Drucker ausgestattet sind und allen Besucher:innen zur Verfügung stehen. Darüber hinaus können öffentliche Veranstaltungsräume, Videospielbereiche, Tonstudios, ein Kino und eine Küche genutzt werden. In einem lichtdurchfluteten Raum sitzen Menschen in bequemen Polstersesseln mit einem Papierschmöker in der Hand oder einem Handy. Egal. Sie lesen jedenfalls. Oder Hören.
Bücher, ganz gleich in welcher Form, begleiten uns unser ganzes Leben. Im Alter von vier bis fünf Jahren beginnen Kinder sich für Buchstaben und Lesen zu interessieren. Beim Lesen eröffnen sich ganz neue Welten voll Fantasie. Erinnert Ihr Euch als der zweite Harry Potter Band veröffentlicht wurde? Die Menschen standen mitten in der Nacht vor Buchhandlungen, nur um einen Stapel bedrucktes Papier zu kaufen, weil sie wissen wollten wie die Fantasiegeschichte weiter geht. Bücher schaffen es, uns in eine andere Zeit, eine andere Welt, eine andere Kultur und Lebenswelt zu entführen. Mit Büchern können wir unserem Alltag entfliehen.
Wir laden Euch ein, Euren Alltag für kurze Zeit zu vergessen. Schaut Euch unsere Fotos an – online oder besser in 30 x 45 cm Kunstdruck an den Wänden und schaut nach rechts und links in die Regale. Es gibt viel zu Entdecken.
Die Ausstellung geht noch bis zum 31.07.2026 und ist zu den Öffnungszeiten der Stadtbibliothek Solingen frei zugänglich.






